Puls.16 AMD Graduate Show Hamburg

Hallo ihr Lieben,
wie ihr vielleicht wisst studiere ich Mode Design an der AMD in Hamburg. Da ich öfter Fragen über die Uni und mein Studium bekomme, habe ich beschlossen euch hier auf meinem Weg durch mein Studium mitzunehmen. Demnächst wird mein erster Post dazu kommen, in dem ich euch erzähle wie ich dazu gekommen bin Mode Design zu studieren und wie man sich bewirbt. Für meine Uni Posts gibt es jetzt die neue Kategorie „Fashion Design Studium“.

In diesem Post möchte ich euch von der Puls.16 erzählen. Am Ende eines Mode Design Studiums an der AMD muss jeder Student eine Bachelor Kollektion entwerfen. Zum Abschluss gibt es dann die Graduate Show, die Abschluss-Show der Bachelors. Jede Stadt hat ihre eigene Graduate Show: die Puls in Hamburg, die View in Berlin, die Exit in Düsseldorf und die Next in München. Die diesjährige Puls war in der REE Location im alten Heizwerk in Hamburg. Da die Location zwar ziemlich groß ist, platzmäßig dennoch nicht für alle Zuschauer ausreicht, gibt es an einem Abend zwei Shows hintereinander. Bei der Abschlusshow müssen alle anderen Mode Design Semester Backstage mithelfen und dürfen die andere Show, bei der sie nicht helfen, zuschauen.
Schon bei Ankunft in der Location ist mir das erste Mal bewusst geworden: in nicht allzu langer Zeit wird auf dem Laufsteg vor mir, meine eigene Kollektion präsentiert! Der Laufsteg war wie ein E aufgebaut, drei Laufstege nebeneinander, damit jeder Zuschauer die Kollektionen betrachten konnte. Einige Kollektionen hatten spezielle Choreographien, bei denen nicht nur das E auf und abgelaufen wurde.

Ich habe in den letzten Monaten einige Teile der Kollektionen während ihrer Entstehung bei uns in den Uni-Werkstätten gesehen, sie aber fertig und angezogen zu sehen war einfach Wahnsinn. Die Outfits waren so professionell und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Ich kann mir gar nicht vorstellen in einigen Jahren auch auf so einem Level zu sein. Es gab Ready To Wear Kollektionen und Haute Couture Kollektionen, Menswear und Womenswear. Einige Kollektionen fand ich wirklich super, andere haben mir nicht so zugesagt. Aber das ist ja das schöne an Mode, für jeden ist etwas dabei. Es wurden die verschiedensten Stoffe, Materialien und Schnitte verwendet, alles sehr kreativ.

Als das Licht ausging und der Trailer anfing, bekam ich Gänsehaut. Ich glaube ich werde bei unserer Graduate Show in genau diesem Moment heulen 😀 Die Show selbst war ziemlich lang, da jeder der 19 Newcomer eine Kollektion von mindestens 6 Outfits haben musste und eine eigene Show hatte. 19 einzigartige und individuelle Kollektionen in einer Show, die mir weniger wie eine Amateurmodenschau einer Uni vorkam. Im Gegenteil, nicht nur die Outfits waren professionell, die ganze Show war es. Das Styling der Models passte auf die Outfits, jeder Designer konnte sich aussuchen, wie die eigene Kollektion startet und welche Musik dazu läuft. Einige haben Trailer vor ihren Shows abgespielt, in denen man sich schon auf die Themen einstimmen konnte.

Ich werde nicht über jede Kollektion etwas schreiben, sonst würde der Post viel zu lang werden, aber zu einigen Kollektionen möchte ich ein paar Worte schreiben.

Zwei Gegensätze, zwei Kollektionen die unterschiedlicher nicht hätten sein können: schwarzes Leder und gerade Schnitte in der Kollektion „Blendwerk“ von Regina Schlegel und weiße, fließende, mit Blümchen bestickte Outfits in der Kollektion „Heritage“ von Patrick Utzschmid. Diese beiden Ready To Wear Kollektionen fand ich einfach nur toll, die meisten Teile würde ich davon auch tragen.

Menswear!

Eine wirklich coole Herrenkollektion war die von Xavier Mirzada mit dem Namen „Watashiwo Mamitte! Cover Me!“. Vorallem die gelbe Jacke fand ich cool. Die Ärmel kann man per Reißverschluss verändern. Auch den Strickpulli mit oversized Ärmeln aus der Kollektion „Oh My God Matangi Is Dead“ von Ceyda Capkin finde ich wirklich gelungen.

Antonia Kuskowski hat iht ihrer Kollektion „Streitwagen“ Sneakerteile verarbeitet und daraus ihre Outfits geschaffen. Statt Models haben Tänzer ihre Mode präsentiert. Cooles Thema und coole Show, die einem definitiv im Kopf geblieben ist. Die Tänzer haben den Streetstyle verkörpert und das Thema gut auf dem Laufsteg rübergebracht.

Lange Haare – Ein Mädchentraum

Dann gab es zwei Kollektionen, die mich einfach nur umgehauen haben. Eine der beiden Kollektionen kannte ich von der Idee her schon aus der Werkstatt und war während der ganzen Puls schon gespannt sie endlich im ganzen zu sehen. Es ist die Kollektion „Trichotillmania“ von Eda Kilinic. Eda hat echte Haare und Felle in ihre Kleider gearbeitet. Lange Schleppen, Pastelltöne und dazu 3kg eingeflochtene Echthaarextensions. Traumhaft schöne Kleider, einfach nur wow, mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

 Galaktisches Meergestein!

Die zweite Kollektion, die mich umgehauen hat, war „Anomalia“ von Sina Salzmann. Mit so etwas hatte ich nicht gerechnet: nackte, gazellenartige Models mit gefühlt 4 Meter langen Beinen schwebten umhüllt von riesigen, gesteinsartigen „Gehäusen“ über den Laufsteg. Die Ouftits sahen aus wie Gesteine oder Korallen und hatten keinen Stoff. Sie waren teils aus Plastikstückchen, die wie Schuppen übereinander gelegt wurden. Drum herum waren die gesteins- und knochenartigen Gebilde und Fasern. Die Kollektion hatte etwas futuremäßiges und erinnerte mich an Reptilien- oder Insektenpanzer, aber hatte auch etwas, was mich an das Meer erinnerte mit Fischschuppen und Korallen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich kann mir vorstellen, dass einige Details im 3D-Drucker entstanden sind, so sahen sie zumindest aus. Anomalia war die letzte Show des Abends und wirklich ein gelungener Abschluss.

Pictures by Philipp Stengelin

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